Aktuell / 24.02.2012

Supraleitersystem ersetzt innerstädtisches Hochspannungskabel

Hochtemperatur-Supraleiterkabel (HTS-Kabel) auf keramischer Basis können auf rund minus 200 Grad Celsius gekühlt, Strom nahezu verlustfrei transportieren. © RWE
RWE Deutschland stellte das Projekt „AmpaCity“ heute der Öffentlichkeit vor. Dr. Joachim Knebel ( KIT), Dr. Joachim Schneider (Technikvorstand RWE Deutschland), Reinhard Paß (Oberbürgermeister Essen), Dr. Arndt Neuhaus (CEO RWE Deutschland), Dr. Hans-Christoph Wirth (BMWi) und Christof Barklage (Nexans), beim Pressegespräch. © RWE

Mit Supraleitern kann Strom nahezu verlustfrei transportiert werden. In der Stadt Essen wird diese neue Technologie für die Stromverteilung aufgebaut: 2013 wird hier das derzeit weltweit längste Hochtemperatur-Supraleiterkabel (HTS-Kabel) unter die Erde gelegt. Dieses neue 10.000-Volt-Supraleiterkabel soll auf einem Kilometer Länge zwischen zwei Umspannstationen die herkömmlichen 110.000-Volt-Leitungen ablösen. An diesem Pilotprojekt beteiligt sind die RWE Deutschland AG, der Kabelhersteller Nexans, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Projektträger Jülich (PTJ).

Supraleiter gelten als zukunftweisende Lösung für eine platzsparende und besonders energieeffiziente Übertragung von Strom in Städten. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) fördert das 13,5 Mio. Euro- Forschungsprojekt „AmpaCity“ mit rund 6,3 Mio. Euro. Nach Ansicht von Experten wird schon in wenigen Jahren ein flächendeckender und wirtschaftlicher Einsatz von Supraleitern möglich sein. Die praktische Erprobung soll nun die in einer Studie der Projektpartner benannten Vorteile des neuen Übertragungssystems belegen.

Am 19. Januar 2012 stellten die Beteiligten das Projekt der Öffentlichkeit vor. Dabei betonte Dr. Joachim Schneider, Vorstandsmitglied RWE Deutschland: „Supraleiter werden eine wichtige Rolle für die Energieversorgung in den Städten spielen. Wir sind sehr stolz darauf, bei diesem Pionierprojekt ganz vorne dabei zu sein.“ Die Firma Nexans, einer der führenden Anbieter für Kabelsysteme, wird das Supraleiter-Kabel für den Feldversuch im Verteilnetz der RWE Deutschland produzieren. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wird im Rahmen des Projektes die Optimierung geeigneter Supraleitermaterialien und Isolierstoffe wissenschaftlich begleiten.
Die detaillierte Planung des Projekts beginnt in den kommenden Monaten. Zu den Aufgaben gehören die Festlegung des Trassenverlaufs, Designoptimierung und Prototypversuche beim Hersteller Nexans.  Das speziell für die Anwendung in der Innenstadt entwickelte, kompakte Supraleiter-Kabelsystem soll Ende 2012 produziert werden. Entsprechend der Planung geht das supraleitende Kabel bis Ende November 2013 in Betrieb.

Supraleiter sind Leiter auf keramischer Basis. Gekühlt auf rund minus 200 Grad Celsius, können sie Strom nahezu verlustfrei transportieren. Energetisch sind sie damit herkömmlichen Kabeln überlegen. Außerdem können mit der Verlegung eines Supraleiter-Strangs bis zu fünf parallel verlaufende konventionelle 10.000-V-Kabel ersetzt oder 110.000/10.000-Volt-Umspannstationen überflüssig werden, da Supraleiter auch größere Strommengen bei kleinerer Spannung transportieren können.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.nexans.de
www.kit.edu
www.ptj.de

Weiterführende Informationen als Download:
AmpaCity Statement Dr. Arndt Neuhaus
AmpaCity Vortrag Dr. Joachim Schneider
Nexans konzentrisches Kabel
Nexans Modell konzentrisches Kabel

Weiterführende Informationen als Links:
Download Pressefoto mit Arndt Neuhaus

Verknüpfte Projekte

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