Aktuell / 02.11.2012

Vorbildliche Solarprojekte ausgezeichnet

Der Deutsche Solarpreis 2012 wurde in fünf Kategorien vergeben. © EnergieAgentur.NRW

Die Europäische Vereinigung für erneuerbare Energien (Eurosolar) verlieh am 27. Oktober 2012 in Wuppertal den Deutschen Solarpreis. Der Preis wurde in diesem Jahr in fünf Kategorien verliehen. Preisträger sind innovative Projekte, Initiativen sowie engagierte Vorreiter im Bereich der erneuerbaren Energien. Ein Sonderpreis wurde für persönliches Engagement verliehen.

„Die Energiewende braucht gute Beispiele. Nichts wirkt motivierender als die umgesetzte Praxis. Deshalb hat der Solarpreis eine große Bedeutung für das Gelingen des gesamtgesellschaftlichen Projekts, die Energieversorgung auf regenerative Quellen umzustellen“, betont NRW-Umweltminister Johannes Remmel. Die besondere Verantwortung: „In keiner zweiten Region Deutschlands wird mehr Energie erzeugt und verbraucht als in NRW. Wir sind uns dessen bewusst und heute schon Schrittmacher für die Entwicklung und Anwendung zukunftsweisender Möglichkeiten zur Nutzung regenerativer Quellen“, erläuterte er.
Aus rund 120 Bewerbungen prämierte eine Jury Projekte in fünf Kategorien. Dr. Axel Berg, Vorsitzender des Eurosolar Deutschland, begründet die Entscheidung: „Die Dringlichkeit einer Energiewende und die Akzeptanz erneuerbarer Quellen ist inzwischen gesellschaftlicher Konsens. Entsprechend haben sich Quantität und Qualität der Bewerbungen erheblich gesteigert.“

  • In der Kategorie „Städte/Gemeinden, Landkreise und Stadtwerke“ ging der Preis in diesem Jahr an den Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen, der die Energieautarkie im Jahr 2050 anstrebt. Ein wichtiger Meilenstein ist die Entwicklung der regionalen Strommarke „Unser Landstrom“. Haushalte und Unternehmen werden mit nachhaltigem, CO2-neutralem und vor Ort erzeugtem Strom versorgt. Die „Strommarke“ entwickelte der Kreis Steinfurt/Agenda 21-Büro gemeinsam mit vier Stadtwerken aus der Region.
  • Belectric Solarkraftwerke im bayerischen Kolitzheim erhielt in der Kategorie „Industrielle, kommerzielle oder landwirtschaftliche Betriebe/Unternehmen“ den Solarpreis. Die Firma entwickelt bestehende Kraftwerkstechnik weiter, um die netzstabilisierenden Potenziale von Solarkraftwerken zu nutzen. Die nachhaltige Netzstabilisierung erfolgt über eine dynamische Blindleistungsregelung, mit deren Hilfe die Netzspannung reguliert werden kann. Dies ist ein Baustein für die Systemstabilität eines Netzes, welches durch regenerative Energien geprägt ist.
  • Teckwerke Bürgerenergie wurden in der Kategorie „Lokale oder regionale Vereine/Gemeinschaften“ geehrt. Die Initiative für eine kommunale Energieversorgung mit Bürgerbeteiligung gründete sich in Kirchheim unter Teck in Baden-Württemberg. Dazu haben die Teckwerke ein Konzept für einen gemeinsamen Netzrückkauf durch Kommunen und Bürger. Durch Bürgerbeteiligung soll die Energielandschaft transparenter und die Identifikation mit der lokalen Energieinfrastruktur gestärkt werden.
  • Ausgezeichnet wurde auch die Werner Sobek Stuttgart sowie die Mietergenossenschaft Gartenstadt Farmsen in der Kategorie „Solares Bauen und Stadtentwicklung“. Prof. Dr. Dr. Werner Sobek erhielt den Solarpreis für die Entwicklung des „Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität“ – einem Wohnhaus, das nicht nur die gesamte für den Betrieb und die Nutzung notwendige Energie selbst erzeugt, sondern das zusätzlich auch den jährlichen Energiebedarf von zwei Elektroautos und einem Elektrofahrrad deckt (BINE berichtete über das errichtete Gebäude).
  • Die Mietergenossenschaft Gartenstadt Farmsen hat in Hamburg 113 Wohnungen in zwölf Reihenhauszeilen energetisch saniert. Die Siedlung steht exemplarisch für das Gesamtkonzept zur Modernisierung des Wohnungsbestandes. Mehr als 80 Prozent ihrer Gebäude hat die Genossenschaft im Hamburger Bezirk Wandsbek bereits energetisch optimiert. 2015 soll das für den gesamten Bestand erreicht sein.
  • Der Sonderpreis für persönliches Engagement ging an Prof. Dr. Ernst Schrimpff aus Freising, der sich in jahrzehntelanger Tätigkeit für die Markteinführung der erneuerbaren Energien einsetzte. In den 1990er Jahren engagierte er sich für die kostendeckende Solarstromvergütung. Diese wurde zuerst in Freising beschlossen und danach von vielen bayerischen Kommunen übernommen und schließlich zum Vorbild des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Dieses Grundprinzip haben sich weltweit inzwischen über 60 Länder zum Vorbild genommen.

 

Der Deutsche Solarpreis

Der Deutsche Solarpreis wird von Eurosolar seit 1994 jährlich vergeben. Die Preisträger haben sich für die Nutzung erneuerbarer Energien besonders verdient gemacht. Ausgezeichnet werden herausragende, innovative Projekte und Initiativen von Anwendungen erneuerbarer Energien. Eurosolar will mit dieser Preisverleihung darauf aufmerksam machen, welchen hohen und zunehmend wachsenden Stellenwert die Energiegewinnung aus Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Biomasse hat.
Über diesen Preis hinaus werden seit 2003 beispielhafte Gebäude mit einer Plakette ausgezeichnet. Mit diesen Plaketten würdigt Eurosolar die zunehmende Anzahl privater und schulischer Erneuerbarer-Energien-Projekte.

Verknüpfte Projekte

  • Durch ein neu entwickeltes Brennverfahren soll der hohe Verbrauch an Primärenergie beim Brennen von Ziegelsteinen zu etwa 30% durch erhöhten Zusatz energiehaltiger Zuschlagstoffe im Ziegelton ersetzt werden. Bezogen auf die etwa 150 deutschen Ziegelwerke würde durch die Entwicklung die Einsparung von jährlich etwa 2500 GWh möglich. ... mehr