Aktuell / 21.05.2014

IT2Green: Effizientere Informations- und Kommunikationstechnik

Informationsinfrastrukturen und netzbasierte Dienste schlucken 10 % der in Deutschland verbrauchten elektrischen Energie. ©EnEff:Industrie.info

Mit dem Ziel, Informations- und Kommunikations-Technologien (IKT) energieeffizienter zu betreiben, entwickelten Forscher systemübergreifende Lösungen für Telekommunikation, Rechenzenten, Cloud Computing und Endgeräte. Zum Abschluss des Programms „IT2Green ‒ Energieeffiziente IKT für Mittelstand, Verwaltung und Wohnen“ stellten sie die während der vergangenen drei Jahre in zehn Verbundprojekten erarbeiteten Ergebnisse am 8. Mai 2014 in Berlin vor.

Der Energieverbrauch netzbasierter Dienste und IKT-Infrastrukturen ist beträchtlich. Sie entwickeln sich zu einem Strom-Großverbraucher, mehr als zehn Prozent des deutschen Strombedarfs entfallen auf IKT. Deutsche Rechenzentren verbrauchten im Jahr 2011 etwa 9,7 TWh (9,7 Mrd. kWh) Strom. Das entspricht etwa dem Verbrauch von 6,9 Millionen Menschen.

Doch auch die Einsparpotenziale sind beträchtlich: Der Energieverbrauch von Mobilfunknetzen lässt sich durch selektives Abschalten von Sendeanlagen um bis zu 30 Prozent reduzieren. In Rechenzentren kann durch Optimierung von Komponenten wie Kühlung, Server und Betriebssysteme der Energieverbrauch halbiert werden.
Die auf der Konferenz vorgestellten hohen Einsparmöglichkeiten würdigte Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie: "Die Lösungen der Forschungsprojekte zeigen, wie der Energieverbrauch von Informations- und Kommunikationstechnologien deutlich reduziert werden kann. Das ist wichtig, denn wir müssen die Energieeffizienz-Potenziale der Green IT stärker nutzen."

Bei Mobilfunk 30 % Energie einsparen

Um eine maximale Energieeffizienz in Mobilfunk- und Festnetzen zu erzielen, haben drei IT2Green-Projekte neue Steuerungsmechanismen für Telekommunikationsnetze entwickelt. So zeigt das Projekt „ComGreen“, wie mit dem selektiven Abschalten von Sendeanlagen auf Grundlage von Lastprognosen bis zu 30 Prozent Energie in Mobilfunknetzen eingespart werden kann. Einen ähnlichen Ansatz präsentiert das Projekt „IntelliSpektrum“, in dem energiehungrige Makrozellen heruntergefahren und durch sparsamere Kleinzellen ergänzt werden. „DESI“, das dritte Projekt des Clusters Telekommunikationsnetze zeigt, welche Energie-Einsparungen durch Stromsparbetrieb, lastabhängiges Routing und aktivere Nutzung vorhandener Batteriekapazitäten möglich werden.

Rechenzentren und IT-Systeme besser auslasten

In drei Projekten untersuchten die Forscher, mit welchen Methoden und Technologien sich die Auslastung von IT-Systemen einzelner Rechenzentren oder im Verbund arbeitender Rechenzentren steigern lässt. Beim Projekt „AC4DC“ wird demonstriert, wie durch das optimierte Zusammenspiel aller Bausteine eines Rechenzentrums – wie Kühlung, Server und Betriebssysteme – die Hälfte der Energie eingespart werden kann. Im Projekt „GreenPAD“ werden unterschiedliche Serverräume zu einem großen Rechenzentrum verknüpft, damit die Auslastung gesteigert und gleichzeitig auf die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien reagiert werden kann.
In einem Cloud-Verbund kooperierender Verwaltungs-Rechenzentren verschiebt das Projekt „GGC-Lab“ rechenzentrumsübergreifend Anwendungen und spart so Energie. Das Projekt MIGRATE! unterstützt IT-Entscheidungsträger durch automatisierte, softwarebasierte Prozesse dabei, komplexe Applikationen zum energieeffizientesten Standort in der Cloud zu verschieben.

Durch ganzheitliche Steuerung Energie sparen

Durch intelligente Steuerungen können IT-Ressourcen bedarfsgerecht am Büroarbeitsplatz bereitgestellt werden. Das im Projekt“ GreenIT Cockpit“ entwickelte Steuerungsinstrument unterstützt Unternehmen und Behörden dabei, ihre Rechenzentrumsressourcen für den Endnutzer energieeffizienter einzusetzen. Durch eine ganzheitliche, sensorunterstützte Steuerung wird im Projekt „pinta“ der Energieverbrauch in Büros um bis zu 30 Prozent gesenkt.
Mit dem 2014 abgeschlossenen Forschungsprogramm „IT2Green“ hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zehn Projekte bei der Entwicklung von energieeffizienter IKT unterstützt. Industrie und Politik investierten insgesamt 60 Millionen Euro in Forschungsprojekte sowie Begleitforschung, die Hälfte der Kosten wurde vom BMWi getragen.

Der Leitfaden "Energieeffiziente IKT in der Praxis" informiert über mögliche Einsparmaßnahmen. Er richtet sich insbesondere an IT-Verantwortliche mittelständischer Unternehmen, Behörden und anderer Einrichtungen.

 

Verknüpfte Projekte

  • In nahezu allen elektronischen Geräten, wie z. B. Fernsehern, Computern und Monitoren, arbeiten heute hochfrequent getaktete Schaltnetzteile. Deren Wirkungsgrad erreicht je nach Qualität zwischen 80 bis über 90 Prozent. Bisher gehen in konventionellen Geräten etwa drei bis sechs Prozent des eingesetzten Stroms in Spulen und Transformatoren verloren. ... mehr

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