Aktuell / 03.03.2014

Strom zeitlich flexibel einsetzen und Kosten sparen

Je mehr Ökostrom ins Netz eingespeist wird, desto stärker können Angebot und Preis schwanken. Unternehmen können diese Schwankungen nutzen, um Kosten zu sparen. © EnEff:Industrie

Kleine und mittlere Unternehmen, die Energiekosten sparen wollen, können sich an einem neuen Forschungsprojekt beteiligen. Das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) will gemeinsam mit der Industrie Verfahren weiterentwickeln, die es ermöglichen, energieintensive Aufträge dann abzuarbeiten, wenn der Strompreis gerade niedrig ist.

Der Strompreis an der Börse schwankt, abhängig vom schwankenden Angebot der Erneuerbaren Energien im Netz. Je größer der Anteil der Erneuerbaren wird, umso wichtiger wird es, dass sich der Verbrauch am volatilen Angebot orientiert.
Mit flexiblen Stromtarifen können die Energieversorger eine gleichmäßige Auslastung des Stromnetzes fördern: Dann lohnt es sich für die Kunden, den Strom dann zu verbrauchen, wenn er gerade reichlich vorhanden und somit günstig ist – und Strom zu sparen, sobald er knapp und teuer wird.

Durch flexiblen Verbrauch Energiekosten bremsen

Das IPH will besonders kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) dabei helfen, ihre Energiekosten zu reduzieren – ganz ohne teure Investitionen in neue Maschinen oder Produktionstechniken. Denn viele Unternehmen können allein dadurch sparen, dass sie ihre Aufträge clever verteilen und energieintensive Arbeiten dann erledigen, wenn der Strompreis niedrig ist.

Software hilft, logistische Ziele und Einsparungen zu verbinden

Ziel des Forschungsprojekts "Integration von Energiekosten in Fertigungssteuerungsverfahren (EnKoFer)" ist es, bestehende Verfahren der Fertigungssteuerung (beispielsweise der belastungsorientierten Auftragsfreigabe) durch Einbeziehung des Faktors Energiekosten weiterzuentwickeln. Gleichzeitig sollen die logistischen Zielgrößen hohe Termintreue, geringe Durchlaufzeiten, niedrige Bestände und hohe Kapazitätsauslastung berücksichtigt werden. Das IPH will bestehende Verfahren der Fertigungssteuerung weiterentwickeln, sodass sich Aufträge so verteilen lassen, dass möglichst wenig Geld für Energie ausgegeben werden muss – ohne dass Termintreue oder Auslastung leiden, Leerläufe entstehen oder sich Bestände ansammeln. Im Projekt soll ein Software-Demonstrator entwickelt werden, mit dem Unternehmen ganz einfach berechnen können, bei welcher Auftragsverteilung welche Energiekosten entstehen, um sich dann für die günstigste Variante entscheiden zu können.

Teilnahme noch möglich

KMU können noch Mitglied im projektbegleitenden Ausschuss werden. Das IPH sucht Firmen, die mithilfe ihrer schwankenden Energieverbräuche ihre Energiekosteneffizienz erhöhen wollen. Sie sollen im projektbegleitenden Ausschuss Erfahrungen aus der Praxis einbringen und die Wissenschaftler beraten. Zudem können sie sich mit anderen Unternehmen über energiekosteneffiziente Fertigungssteuerung branchenübergreifend und unentgeltlich austauschen.
Das Kick-Off-Treffen des projektbegleitenden Ausschusses findet am Freitag, 7. März, in Hannover statt. Neue Mitglieder können kurzfristig daran teilnehmen oder später in das Projekt einsteigen.
Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und läuft bis Ende 2015.

Logistische Ziele um Energiekosten erweitern

Bei kleinen Unternehmen handelt es sich häufig um sogenannte Auftragsfertiger, die ihre Ware auf Bestellung herstellen, statt auf Lager zu produzieren. Wann welcher Auftrag auf welcher Maschine erledigt wird, bestimmt die sogenannte Fertigungssteuerung. Auf die Energiekosten achten Unternehmen bei der Verteilung ihrer Aufträge bisher allerdings kaum. Berücksichtigt werden lediglich logistische Zielgrößen, nämlich kurze Durchlaufzeiten, eine hohe Termintreue, eine hohe Auslastung und niedrige Bestände. Das bedeutet, dass Aufträge einerseits schnell erledigt und pünktlich fertiggestellt werden müssen. Andererseits müssen Maschinen und Mitarbeiter wenig Leerlauf haben und es dürfen sich nicht zu viele halbfertige Produkte in Zwischenlagern ansammeln, sonst bindet das Unternehmen Kapital, welches für andere Investitionen verwendet werden könnte.

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Projekt

EnKoFer - Integration von zeitvariablen Energiekosten in bestehende Verfahren der Fertigungssteuerung
www.enkofer.de
Projektlaufzeit: 1. Dezember 2013 – 30. November 2015

Weitere Informationen

Stefan Willeke
Institut für Integrierte Produktion Hannover
willekeatiph-hannover.de
www.iph-hannover.de