Aktuell / 03.06.2014

Unternehmen entwickeln gemeinsam Energiesparkonzepte

Die bestmögliche Energieeffizienz ist auch das Ziel beim Großkältespeicher Chemnitz. Dr. Thorsten Urbaneck, TU Chemnitz (l.) und Ulf Uhlig, eins energie, kontrollieren die Funktion der Anlage. © TU Chemnitz / Wolfgang Thieme

Die insgesamt in den Netzwerken identifizierten wirtschaftlichen Einsparpotenziale sind enorm: Zusammengenommen könnten sie den Energieverbrauch um etwa 1 Mio. MWh pro Jahr senken. Diese Energiemenge reicht aus, um mehr als 61.000 Durchschnittshaushalte mit Wärme und Strom zu versorgen.

 

Produktionsabläufe werden optimiert

Im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative förderte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) zwischen 2009 und 2013 insgesamt 30 Pilot-Netzwerke. Jeweils 10 bis 15 Unternehmen konnten sich unter Federführung eines Trägers zusammenschließen. Rund 360 Unternehmen nahmen an sogenannten lernenden Energieeffizienz-Netzwerken (LEEN) teil. Das Projekt baut auf den Erfahrungen aus Demonstrationsvorhaben auf. Das Konzept geht davon aus, dass Netzwerke mit 10 bis 15 Unternehmen ein optimales Preis- Leistungsverhältnis bieten, um die vorhandenen Einsparpotentiale zu erschließen.


Auf der Abschlusskonferenz in Berlin fasste Prof. Dr. Harald Bradke, Projektleiter am Fraunhofer ISI, am 19. Februar 2014 das Erreichte zusammen: „Durch die Teilnahme an den Lernenden Energieeffizienz-Netzwerken reduzieren die Unternehmen ihre Energiekosten, steigern so ihre Wettbewerbsfähigkeit und tragen zugleich zum Klimaschutz bei. Gleichzeitig entsteht durch eine höhere Investitionstätigkeit mehr Arbeit in der Region durch Beratung, durch das Installationshandwerk, die Finanzierung und Wartung. Die verstärkten Energieeffizienz-Investitionen führen zu Kostensenkungen und schnelleren Innovationserfolgen der Investitionsgüter-Hersteller und damit auch zu mehr Wettbewerbsfähigkeit im Export.“

 

Einsparerfolge motivieren zur Fortsetzung der Zusammenarbeit

Auch im Pilot-Netzwerk Mittelbayern konnten fast alle der zehn Partnerunternehmen ihren Energieverbrauch innerhalb der dreijährigen Projektlaufzeit um mehr als 7 Prozent senken. Das spart 11.000 Tonnen CO2 ein. Dass mehrere der Projektpartner energieintensive Unternehmen sind, macht die Einsparerfolge umso bemerkenswerter. Nach dem Abschluss des Projekts Ende 2013 haben sich die meisten teilnehmenden Firmen entschlossen, weiterhin gemeinsam an der Verbesserung ihrer Energieeffizienz zu arbeiten. Daraus entstand das Energie-Effizienz-Netzwerk Mittelbayern II.


Während zuvor die Querschnittstechnologien das Hauptthema waren, rücken nun die Produktionsprozesse in den Fokus. Die Unternehmen nutzen für die Verbesserung die Methode des Energiewertstroms. Diese erweitert die seit Jahren in der Produktionsoptimierung bewährte Wertstoffmethode: Sie erfasst zusätzlich den Energieverbrauch und die Verbesserung der Energieeffizienz. Nach der Erfassung der Ist-Situation mit der Energiewertstromanalyse wird mit dem Energiewertstromdesign ein Soll-Zustand erarbeitet. Daraufhin werden die effizienzsteigernden Maßnahmen im Energiemanagement umgesetzt.
Der Cluster Energietechnik der Bayern Innovativ GmbH organisiert und moderiert das Netzwerk. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA unterstützt die Arbeit des Netzwerks, die Firma Eproplan – Beratende Ingenieure begleitet den Optimierungsprozess.


Für kleinere Betriebe steht ein angepasstes, auf dem LEEN-Standard basierendes Netzwerkkonzept „Mari:e“ (Mach‘s richtig: energieeffizient) zur Verfügung, das derzeit in fünf Netzwerken mit 60 Unternehmen getestet und wissenschaftlich begleitet wird.