Aktuell / 02.05.2016

Plattform Industrie 4.0 berät und unterstützt Unternehmen bei der digitalen Transformation

Vorführung eines neuen vielseitig einsetzbaren Industrieroboters. Auf der Hannover Messe 2016 präsentierten die Bundesminister Gabriel (BMWi) und Prof. Wanka (BMBF) eine Zwischenbilanz und erste Ergebnisse der vor einem Jahr gegründeten Plattform Industrie 4.0. Quelle: Gerhard Hirn, BINE Informationsdienst

Vor einem Jahr hatten sie die Plattform Industrie 4.0 gegründet.Jetzt stellten Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka auf der Hannover Messe gemeinsam mit Vertretern des Leitungsgremiums die wichtigsten Ergebnisse vor.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel: "Die Plattform Industrie 4.0 hat sich seit ihrer Gründung vor einem Jahr zu einem der größten Netzwerke weltweit im Bereich Digitalisierung der Industrie entwickelt. Die Plattform hat es in kürzester Zeit geschafft, Anwendungsbeispiele und Leitfäden für Unternehmen und gerade auch für den Mittelstand zu entwickeln. Zusammen mit den vom BMWi geförderten Kompetenzzentren 4.0 steht mittelständischen Unternehmen damit ein hervorragendes Angebot an kompetenter Information und Beratung zur Verfügung."

 

Ministerin Wanka kündigte ein Programm zur praxisnahen Erprobung von Industrie 4.0-Lösungen an; außerdem wird eine zentrale Kontakt- und Koordinierungsstelle an der Universität Stuttgart eingerichtet. Diese soll den Zugang von Unternehmen zu den Testzentren bundesweit erleichtern und Unternehmen zielgerichtet unterstützen. Die Unternehmen können für beantragte Projekte mit einer Dauer von drei bis zwölf Monaten bis zu 100.000 Euro erhalten.

 

Mit konkreten Zukunftsszenarien bietet die Plattform Unternehmen sowie Politik, Wissenschaft und Arbeitnehmervertretern eine Orientierungshilfe für die koordinierte Gestaltung der digitalen Transformation des Industriestandortes Deutschland. Ihre bisherigen Arbeitsergebnisse stellt sie im Fortschrittsbericht vor, den sie auf der Hannover Messe veröffentlichte.

 

Eines der größten Netzwerke für digitale Transformation

Als eines der größten internationalen und nationalen Netzwerke unterstützt die Plattform deutsche Unternehmen, insbesondere den Mittelstand, dabei, Industrie 4.0 zu implementieren. Sie entwickelt und koordiniert Informations- und Vernetzungsservices, die Industrie 4.0-Lösungen bei Unternehmen bekannt machen. Die Plattform wird getragen von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Gewerkschaften, in ihr wirken über 250 Akteure aus 159 Organisationen mit.

 

Die Plattform informiert, berät und koordiniert
Das Netzwerk entwickelt Bildungs- und Qualifizierungsangebote, die auf die Erfordernisse von Industrie 4.0 zugeschnitten sind, sowie global verbindlichen Standards und Normen. Beispiel ist das Referenzarchitekturmodell RAMI 4.0, das die wesentlichen technologischen Elemente der Industrie 4.0 in einem Modell zusammenfasst und Unternehmen aus verschiedenen Branchen eine einheitliche Orientierung bietet.

 

Aus dem Netzwerk-Zusammenhang heraus wurden Initiativen gegründet, die Unternehmen beim Einstieg in das Thema Industrie 4.0 unterstützen sollen, beispielsweise das "Labs Network Industrie 4.0" und der "Standardization Council Industrie 4.0". Sie entwickeln Vorgaben für Standardisierung und Praxistransfer von Industrie 4.0-Lösungen. Insbesondere beim Thema Standardisierung wird deutlich, wie wichtig eine internationale Kooperation ist, beispielsweise mit dem Industrial Internet Consortium (IIC) und anderen Ländern wie China, Japan und Frankreich ist.

 

Die Plattform Industrie 4.0 bietet konkrete Instrumente und Veranstaltungsmöglichkeiten für Unternehmen.

 

  • Mit regionalen Vernetzungsveranstaltungen informiert die Plattform die Wirtschaft über den digitalen Wandel. Sie vermittelt Erfahrungen und Arbeitsergebnisse beispielsweise im Rahmen der IHK-Veranstaltungsreihe „Industrie 4.0 @ Mittelstand“ in die Regionen.
  • Die Online-Landkarte Industrie 4.0 zeigt, wo Industrie 4.0 schon heute eingesetzt wird, sie präsentiert Anwendungsbeispiele, Testumgebungen, Beratungs- und Informationsangebote.
  • Die Online-Bibliothek Industrie 4.0 bietet einen systematischen Einstieg in das Thema. Sie macht Expertenwissen, Empfehlungen und Diskussionsbeiträge einfach und strukturiert zugänglich. Die Ergebnisse und Leitfäden der Plattform sind ebenso verfügbar wie Publikationen und Studien der Partner.

 

Die Plattform Industrie 4.0 hat besonders den Praxistransfer im Blick. Sie wirkt bei der Entstehung neuer Angebote für einen einfachen Zugang zu Testumgebungen mit und zeigt auf, welche Maßnahmen Politik und Wirtschaft bisher erarbeitet haben.

 

Der neu gegründete Verein „Labs Network Industrie 4.0 e.V. – Ini40.de“ wird Unternehmen bei der Initiierung von Industrie 4.0-Projekten unterstützen, Ergebnisse aus den Testumgebungen bündeln und aufbereiten.

Struktur und Aufbau der Plattform-Initiative

Die Plattform Industrie 4.0 wird gemeinschaftlich durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geleitet und getragen. Ein Lenkungskreis aus führenden Unternehmen, koordiniert und steuert die inhaltliche Arbeit der Plattform und bündelt die Ergebnisse der themenspezifischen Arbeitsgruppen. Im Strategiekreis wirken Vertreter von Politik, Branchenverbänden und Gewerkschaften mit; er identifiziert relevante Themen, verantwortet die politische Meilensteinplanung und agiert als Multiplikator der Ergebnisse der Plattform in die Verbände und Wissenschaft hinein.

 

In fünf themenspezifischen Arbeitsgruppen erarbeiten über 150 Expertinnen und Experten aus Unternehmen und Betriebsräten, gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern der zuständigen Bundesressorts, Branchenverbände und Wissenschaftsorganisationen, Handlungsempfehlungen und Konzepte zu ausgewählten Handlungsfeldern von Industrie 4.0. Vertreter von Wissenschaftsorganisationen leisten Beiträge zur Forschungsstrategie und -agenda und identifizieren Forschungseinrichtungen, die aktiv an deren Umsetzung mitarbeiten. Als zentraler Ansprechpartner koordiniert die Geschäftsstelle der Plattform Industrie 4.0 die Zusammenarbeit und die Kommunikation nach innen und außen, unterstützt und koordiniert die Gremien und bildet die Schnittstelle zu weiteren nationalen und internationalen Initiativen.

 

Arbeitsgruppen entwickeln die Rahmenbedingungen

Fünf Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Szenarien und Lösungsansätzen für die Umsetzung der Vision von Industrie 4.0:

 

  • Die Arbeitsgruppe 1 koordiniert die nationalen Aktivitäten zur Normung und Standardisierung im Bereich der Industrie 4.0 und führt die Arbeiten unterschiedlicher Akteure zusammen. Ein zentrales Ergebnis ist die Entwicklung und Definition des einheitlichen „Referenzarchitekturmodels der Industrie 4.0“ RAMI 4.0.
  • Aufgabe der Arbeitsgruppe 2 ist die Analyse des Forschungs- und Innovationsbedarfs bei der Ausgestaltung von Industrie 4.0. Sie will Empfehlungen erarbeiten, um für Industrie 4.0 notwendige Schlüsseltechnologien in Deutschland zu entwickeln und zu etablieren. Ebenso sollen Maßnahmen zur Unterstützung des Technologietransfers in die Unternehmen vorgeschlagen werden. Die Arbeitsgruppe formulierte Zukunftsszenarien zu folgenden sieben Schwerpunkten: Auftragsgesteuerte Produktion, Value Based Services, Anwenderunterstützung in der Produktion, Transparenz und Wandlungsfähigkeit von Produkten, wandlungsfähige Fabrik, selbstorganisierende, adaptive Logistik sowie smarte Produktentwicklung für die smarte Produktion.
  • Die Arbeitsgruppe 3 hat einen Überblick über die Bedeutung sicherer Identitäten und sicherer Kommunikation als wesentliche Elemente für den vertrauensvollen Aufbau von Wertschöpfungsnetzwerken erstellt sowie Handlungsempfehlungen an Politik und Wirtschaft zur Etablierung solcher Netze abgeleitet. Es wurde ein Leitfaden zur Einführung von IT­Security in der Industrie 4.0 für KMU erarbeitet.
  • Die vierte Arbeitsgruppe untersucht sowohl aus nationaler als auch aus europäischer Perspektive, welche Anpassungen bei Zivil- und Zivilprozessrecht, IT-Sicherheits- und Datenschutzrecht, Produkthaftungs- und Produktsicherheitsrecht, IP- („intellectual property“) und Arbeitsrecht erforderlich sind.
  • Die Arbeitsgruppe 5 befasst sich mit den Themen Arbeit, Aus-und Weiterbildung. Ziel ist es, Chancen und Risiken der durch Industrie 4.0 ausgelösten digitalen Transformation im Berufs- und Arbeitsleben zu erfassen und ihre zukunftsfähige Gestaltung im Austausch der Sozialpartner voranzutreiben. Dazu werden Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erarbeitet.

Verknüpfte Projekte

  • Der Süßwaren-Hersteller Ferrero und der Verpackungs-Spezialist Junghans wollen in der Produktion die Hälfte der bisher benötigten Energie einsparen. Zusätzlich werden sie mit einem neuen Energie-Monitoring-System zu „Smart Consumern“, die Energie dann einkaufen, wenn es für sie am günstigsten ist. Was die Firmen dafür bei Produktion und Steuerung verändern müssen, klärt ein Ende 2014 gestartetes Forschungsvorhaben. ... mehr

Links

Nähere Informationen finden Sie unter www.plattform-i40.de.

Info- und Hilfsangebote der Plattform Industrie 4.0

Online-Landkarte Industrie 4.0 zeigt rund 250 Anwendungsbeispiele in der Praxis.

Die Online-Bibliothek Industrie 4.0 stellt Leitfäden, Publikationen und Studien bereit.

Netzwerkveranstaltungen informieren insbesondere KMU über den digitalen Wandel. Kooperationen mit Verbänden, Kammern und anderen Initiativen und Institutionen

Studie „IT-Sicherheit für die Industrie“ Download

Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse

Der Verein „Labs Network Industrie 4.0 e.V.“ bietet Testumgebungen für KMU