Aktuell / 31.08.2017

Innovationskompetenz des Mittelstands stärken

Automatisiertes Glasieren von Sanitärkeramik durch Roboter. Im Projekt CeramDetect wurde auch die Ausrichtung und Modellerkennung der Rohlinge automatisiert. © Ges. z. Förderung angewandter Informatik

In strukturschwachen Regionen sind meist kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die wichtigsten Arbeitgeber. Zur Stärkung ihrer Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit fördert das Bundeswirtschaftsministerium in diesem Jahr Technologieforschung mit 71 Millionen Euro. Das Programm INNO-KOM ermöglicht anwendungsorientierte Industrieforschung und unterstützt den Forschungstransfer.

Forschungs- und Innovationskompetenz fördern

Seit Januar 2017 fördert das Programm INNO-KOM die Arbeit gemeinnütziger externer Industrieforschungseinrichtungen. Ziel ist, die Innovationskompetenz von KMU in strukturschwachen Regionen im gesamten Bundesgebiet zu stärken. Das 2009 gestartete Vorläuferprogramm beschränkte sich auf Forschungsprojekte in Ostdeutschland. Bundeswirtschaftsministerin Zypries betont die Notwendigkeit dieser Förderung: „Um im internationalen Innovationswettlauf zu bestehen, braucht unser Mittelstand industrienahe Forschungseinrichtungen. Deren Arbeit muss sich konkret an den Bedürfnissen der KMU orientieren und es muss sichergestellt werden, dass Forschungsergebnisse schnell in die Praxis umgesetzt werden können.“ Gemeinnützige externe Industrieforschungseinrichtungen sind wichtige Forschungs- und Technologiepartner für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Sie entwickeln anwendungsorientierte technische Lösungen und sie leisten grundlegenden Forschungs- und Entwicklungsarbeit für die Unternehmen. Außerdem initiieren und moderieren sie Forschungs- und Entwicklungs-Kooperationen und Netzwerke, beispielsweise für die Einführung von Industrie 4.0-Anwendungen oder für effizientere Nutzung von Energie und Ressourcen.

Technologietransfer von der Forschung in marktfähige Produkte

Die Bundesregierung stellt in dem Programm Mittel bereit für:

 

  • Vorlaufforschung für industrielle oder kommerzielle Anwendungsbereiche,
  • Marktorientierte Forschungs- und Entwicklungsvorhaben von der Detailkonzeption bis zur Fertigungsreife,
  • Investitionsmaßnahmen zur Verbesserung der wissenschaftlich-technischen Infrastruktur.

 

Im Jahr 2017 wurden im Bereich Forschungsinfrastruktur Investitionszuschüsse für 37 Projekte mit einem Investitionsvolumen von 11,6 Millionen Euro vergeben. Erstmals erhalten auch sieben Forschungseinrichtungen in den alten Bundesländern Unterstützung, nämlich in Bremen und Nordrhein-Westfalen (2,1 Millionen Euro). So wird beispielsweise ein Roboter gefördert, den die Gesellschaft für angewandte Informatik für ein Vorhaben nutzt, in dem sie Strategien für das Zusammenwirken von Mensch und Roboter bei Fertigungstechnik und Qualitätssicherung entwickelt. Gefördert wird auch ein System für den 3D-Druck komplexer Werkzeuge mit neuen Funktionalitäten, die nun bei der Forschungsgemeinschaft für Werkzeuge und Werkstoffe entwickelt werden können.

 

Von den für das Jahr 2017 eingeplanten 71 Millionen Euro sind mindestens 65 Millionen Euro für die neuen Bundesländer vorgesehen; künftig soll die Förderung auf über 90 Millionen Euro pro Jahr steigen.

Gemeinnützige Forschungseinrichtungen können bis 31. Dezember 2021 einen Antrag beim Projektträger EuroNorm GmbH stellen.

Industrie 4.0 für die Keramikindustrie

Ein gefördertes Forschungsprojekt optimiert die Herstellung von Keramikprodukten. Sanitärkeramik wird heute automatisiert in Roboterlinien glasiert. Bisher erfolgen Ausrichtung und Modellerkennung noch manuell. Das kann Ungenauigkeiten im Glasurvorgang bewirken. Zur Automatisierung dieses Herstellungsschritts entwickelte die Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik die Softwaretools CeramDetect und 3D-ProSim. Sie tragen dazu bei, die Produktivität und Qualität zu verbessern. Damit können bei der automatisierten Fertigung kleiner Losgrößen Bearbeitungsvorgänge schnell und flexibel programmiert und Stillstandzeiten gering gehalten werden. Dr. Harald Melzer, Entwickler des Keramikherstellers KERAMAG, betont, wie wichtig es für sein Unternehmen ist, die Kosten zu senken und gleichzeitig die Qualität zu steigern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das erfordert es, Technologien und Verfahren ständig weiterzuentwickeln. Mit der Forschungspartnerschaft konnten Produktionszyklen beschleunigt, Fertigungsqualität verbessert und Material eingespart werden.

 

Inzwischen arbeiten die Entwickler auch an Lösungen für andere Industriezweige. Ein weiteres Beispiel: die Gesellschaft für Fertigungstechnik und Entwicklung Schmalkalden entwickelte Energie- und ressourceneffiziente Vollhartmetall-Bohrwerkzeuge. Mit einer neuen Beschichtungs- und Werkzeugtechnologie steigt im Vergleich zu Referenzwerkzeugen die Werkzeuglebensdauer deutlich und der Verschleiß verringert sich.

Innovationskatalog informiert über neue Verfahren

Ein Innovationskatalog präsentiert die Ergebnisse geförderter Forschungs- und Entwicklungsvorhaben von Unternehmen und Industrieforschungseinrichtungen Er zeigt neue Produkte, Verfahren und Technologien. Aktuell sind über 240 Unternehmen mit mehr als 830 Projekten aus 38 Wirtschaftszweigen erfasst.

Projekt CeramDetect

Industrieforschungs-
einrichtung:

Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e. V.
www.gfai.de

Beteiligtes Unternehmen:
KERAMAG Service
www.keramag.de

Das Projekt wurde gefördert im Rahmen des  INNO-KOM Vorläuferprogramms.