Aktuell / 23.05.2017

Solare Prozesswärme für die Industrie

Kollektorfelder werden auf eine Logistikhalle montiert. © Ritter XL Solar GmbH

Die Industrie in Deutschland verbraucht rund drei Viertel der Endenergie für Prozess- und Raumwärme. Für solare Wärme eignen sich vor allem im Niedertemperaturbereich vielfältige Einsatzgebiete, ebenso im Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistung.

Das theoretische Potenzial der Solarthermie ist groß: Rund 30 Prozent des Wärmebedarfs der Industrie besteht im hierfür gut geeignetem Temperaturbereich bis 200 °C. Allerdings konkurriert die Technologie dabei mit alternativen oder ergänzenden Maßnahmen wie Abwärmenutzung, KWK-Lösungen oder Effizienzverbesserungen. Aktuell befinden sich in Deutschland über 200 solare Prozesswärmeanlagen in Betrieb, Bau oder Planung.

Solarthermie unterstützt Wärmeprozesse

Ob Trocknen, Reinigen oder Vorwärmen: Viele Wärmeprozesse in Industrie und Gewerbe können mit solarthermischer Energie unterstützt werden. Langfristig verbessern Unternehmen so ihre CO2-Bilanz und sparen Energiekosten. Das BINE-Themeninfo „Solare Prozesswärme“ stellt mögliche Einsatzfelder und technische Besonderheiten dieser Technologie vor. Es beschreibt, wie und an welchen Punkten Solarthermie in industrielle Prozesse eingebunden werden kann. Die Autoren analysieren einzelne Integrationspunkte und beschreiben mögliche Prozesse. Praktische Handlungsempfehlungen und Branchenkonzepte helfen, die Machbarkeit im eigenen Unternehmen abzuschätzen. Besonders die Lebensmittelindustrie bietet viele mögliche Einsatzfelder. Die Publikation enthält praxisorientierte Angaben zu Wirtschaftlichkeit und finanziellen Fördermöglichkeiten. Konkrete Anlagenbeispiele illustrieren die theoretischen Informationen.

Erneuerbare und Vernetzung für energetisch optimierte Produktion

Solarthermie-Anlagen werden vor allem in Wohngebäuden installiert. Sie eignen sich auch für die Einbindung in Nah- und Fernwärmenetze, solare Klimatisierung sowie solare Prozesswärme für Industrie und Gewerbe.

 

Da Wärme nicht verlustarm über weite Strecken transportiert werden kann, eignen sich nur solche Standorte für die Nutzung solarer Prozesswärme, bei denen sowohl günstige Einstrahlbedingungen als auch genügend Fläche zur Aufstellung von Kollektoren vorhanden sind. Vor allem Unternehmen mit reinem Tagesbetrieb und mit Prozessen, für die eine vergleichsweise geringe Temperatur ausreicht, sind für eine Einbindung von Solaranlagen interessant.

 

Exemplarisch zeigt die ETA-Modellfabrik der Technischen Universität Darmstadt, wie eine energieeffiziente Industrie in Zukunft aussehen kann: In dem vom BMWi geförderten Projekt erforschen Wissenschaftler, wie sich die Energie in der Industrie durch Vernetzung aller Gebäude- und Produktionskomponenten effizienter nutzen lässt. Durch die Betrachtung des Gesamtsystems aus Maschinen, Energiespeichern, Gebäudetechnik und Gebäudehülle wollen sie den Primärenergiebedarf in der Produktion um 40 Prozent senken.

 

Die Nutzung erneuerbarer Energien zur Bereitstellung von Wärme und Kälte wird im Rahmen des Marktanreizprogramms zur Förderung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt (MAP) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert. Das gilt auch für Prozesswärme, die in solarthermischen Anlagen erzeugt wird.

Verknüpfte Projekte

  • Die Fabrik der Zukunft arbeitet flexibel und vernetzt Maschinen und Gebäude energetisch. Die sogenannte Phi-Factory ist nicht nur sehr energieeffizient, sie trägt gleichzeitig dazu bei, das elektrische Versorgungsnetz zu stabilisieren. Die neue Modellfabrik setzt dabei auf einen hohen Anteil erneuerbarer Energien und hilft, Schwankungen des Stromangebots zu glätten. ... mehr

Service

BINE-Themeninfo II/2017
(PDF, 24 Seiten, 1,4 MB)