Aktuell / 08.08.2017

Szenario zeigt: Klimaneutrale Chemieindustrie bis 2050 möglich

Chemiewerk bei Nacht © Fotolia / Industrieblick

Obwohl die chemische Industrie eine der energieintensivsten Branchen ist, kann sie es bis 2050 schaffen, klimaneutral zu werden. Wie das zu erreichen ist, zeigt die vom europäischen Chemieverband Cefic veröffentlichte Studie Klimafreundliche Energie- und Rohstoffversorgung für die europäische Chemieindustrie.

 

Das in englischer Sprache erschienene Papier „Low carbon energy and feedstock for the European chemical industry” wurde von der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie erarbeitet.

Wenige Basischemikalien verursachen Großteil der Emissionen

Die Autoren untersuchen, mit welchen Technologieoptionen und möglichen Entwicklungsszenarien die europäische Chemieindustrie bis zum Jahr 2050 klimaneutral und zugleich wettbewerbsfähig werden kann. Dabei konzentrieren sie sich auf die wesentlichen Basischemikalien Ammoniak, Methanol, Ethylen, Propylen, Chlor und die Aromaten Benzol, Toluol und Xylol. Diese werden in großen Mengen produziert, sie sind für etwa zwei Drittel aller Treibhausgasemissionen des Chemiesektors verantwortlich.

 

Zur Studie äußerte sich Kurt Wagemann, Geschäftsführer der DECHEMA, optimistisch: “Wenn die Technologien, die in dieser Studie untersucht wurden, zur Anwendung kämen, könnte der CO2-Ausstoß der chemischen Industrie selbst im konservativsten Szenario sehr signifikant verringert werden.” Die chemische Industrie will maßgeblich zur Transformation der europäischen Wirtschaft zu Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft beitragen. Dafür entwickelt sie klimafreundliche und energiesparende Lösungen für ihre eigenen Prozesse, aber auch chemische Produkte für andere Branchen.

Technologie und Rahmenbedingungen für klimafreundliche Chemie

Die Studie analysiert die Technologien, die der chemischen Industrie zur Verfügung stehen, und beschreibt, unter welchen Rahmenbedingungen die europäische Chemieindustrie den Übergang zur Klimaneutralität erreichen kann. Sie gibt einen Überblick über die verfügbaren Technologien für die wichtigsten chemischen Produktionsprozesse.

 

Ausgehend von den gegenwärtig niedrigen Preisen fossiler Energieträger werden Erfolgsfaktoren für einen erfolgreichen Umbau der Industrie benannt:

 

  • Ein großes Angebot an klimafreundlichem Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen,
  • Zugang zu alternativen Rohstoffen (beispielsweise biobasierte Rohstoffe, Kohlendioxid oder Abgase aus Industrieprozessen),
  • Innovation und Forschung im Bereich neuer chemischer Verfahren,
  • Sektorkopplung - Förderung sektorübergreifender Zusammenarbeit, um nachhaltige Wege zu Nutzung von Kohlendioxid zu entwickeln.

 

Die Autoren fassen zusammen, welche Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte dafür zu bearbeiten sind:

 

  • Power to Heat
  • Power to Hydrogen
  • Alternative Hydrogen Production
  • Power to Chemicals
  • Biomass to Chemicals and Materials
  • Alternative Chemical Production
  • Circular Economy and Industrial Symbiosis

Energieverbrauch der Chemieindustrie weiter reduzieren

Die chemische Industrie verbrauchte im Jahr 2010 mit insgesamt 202 Mio. MWh eine Energiemenge, die etwa 8 Prozent des Energiebedarfs von Deutschland entspricht. Seit 1990 hat sie ihre Energieintensität und Treibhausgasemissionen etwa halbiert. Doch gehört die Herstellung von Chemikalien weiterhin zu den energieintensivsten industriellen Prozessen.

Verknüpfte Projekte

  • Ein neu entwickeltes Vergasungsverfahren verwertet Altkunststoffe, kohlenstoffhaltige Sortierreste und Gummiteile sowie Schreddermaterial der Automobilindustrie. Es kann auch chlorhaltige Kunststoffströme mit PVC-Anteilen umweltfreundlich und effizient verarbeiten. ... mehr

Service

Synthesegas aus Kunststoffabfällen erzeugen
BINE-Projektinfo 05/2015

DECHEMA
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