Aktuell / 31.07.2018

Strombasierte Kraftstoffe ersetzen fossile Energie

Kerosin aus erneuerbaren Energien: Forscher werden in einer Demonstrationsanlage in der Raffinerie Heide die Herstellung strombasierter Kraftstoffe untersuchen. © Raffinerie Heide

Fossile Energiequellen durch erneuerbare Energien ersetzen: Wissenschaftler und Industrieexperten wollen Wind- und Solarstrom nutzen, um den Flugzeugtreibstoff Kerosin herzustellen.

Im Forschungsprojekt KEROSyN100 arbeiten sieben Partner aus Industrie und Forschung daran, erneuerbare Energien dafür zu nutzen, sogenanntes grünes Kerosin zu produzieren. Statt EE-Strom abzuregeln, soll mithilfe des neuen Verfahrens eine 100%iger Verwertung möglich werden. Strombasiertes Kerosin bietet einen vielversprechenden Weg, um den Flugverkehr zu dekarbonisieren. Bisher fehlen hier Alternativen zu kohlenwasserstoffhaltigen Kraftstoffen.

Beitrag zur Abkehr von fossilen Kraftstoffen

Ziel der Forscher ist es, mit Power-to-Fuel (PtF) Anlagen sogenannte synthetische Kraftstoffsubstitute herzustellen, die konventionelles Benzin, Diesel oder Kerosin eins-zu-eins ersetzen können. Sie setzen elektrische Energie ein, um Wasser und Kohlenstoffdioxid in flüssige Kohlenwasserstoffe zu überführen. Verglichen mit konventionellen Kraftstoffen lässt sich der effektive Ausstoß von Treibhausgasen deutlich verringern, abhängig von dem verwendeten Strom-Mix und der Kohlenstoffdioxid-Quelle. Das Advanced Energy Systems Institute der Universität Bremen koordiniert das Verbundprojekt.

 

Projektleiter Timo Wassermann führt aus: „Insbesondere im Flugverkehr haben strombasierte Kraftstoffe das Potenzial, einen großen Beitrag zur Abkehr von fossilen Kraftstoffen und Einsparung von Treibhausgasemissionen zu leisten. Ein Einsatz alternativer Antriebstechnologien, die ohne kohlenwasserstoffbasierte Kraftstoffe auskommen, ist in der Luftfahrt derzeit nicht absehbar.“

Wirtschaftliche Erzeugung von grünem Kerosin vorbereiten

Ziel der Forscher ist es, die Markteinführung von strombasiertem Kerosin auf den Weg zu bringen. Dafür verbinden sie systemanalytische Untersuchungen mit der Entwicklung einer innovativen Technologie zur Synthese von Kerosin aus Methanol. Außerdem wollen sie das Basic Engineering für eine maßgeschneiderte Demonstrationsanlage am Standort der Raffinerie Heide erarbeiten. Die Windenergieerzeugung im Umkreis der Raffinerie soll genutzt werden. So lässt sich Energie verwerten, die derzeit aufgrund von Netzengpässen abgeregelt wird und damit verloren geht.

 

Die Projektpartner werden ein Prozesslayout zur Realisierung der ersten Power-to-Jet Fuel-Anlage in einer kommerziell ausgerichteten Demonstrationsumgebung entwickeln. Durch multikriterielle Bewertung relevanter Prozessketten, technologische Weiterentwicklung der Schlüsseltechnologie Methanol-to-Jet Fuel, sollen geeignete regulatorische Rahmenbedingungen erarbeitet und eine Demo-Anlage auf dem Gelände der Raffinerie Heide aufgebaut werden.

 

Neben der Universität Bremen sind am Verbundprojekt beteiligt die Industriepartner Chemieanlagenbau Chemnitz, Raffinerie Heide und SKL Engineering & Contracting. Wissenschaftspartner sind die TU Bergakademie Freiberg, das DLR – Institut für Vernetzte Energiesysteme und IKEM – Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität.

Verknüpfte Projekte

Mehr zum Projekt

Verbundvorhaben: KEROSyN100 - Entwicklung und Demonstration einer dynamischen, effizienten und skalierbaren Prozesskette für strombasiertes Kerosin

Förderkennzeichen:
03EIV051A-G

Förderzeitraum:
2018-07-01  –  2021-06-30

Projektbeteiligte

Projektkoordination
Advanced Energy Systems Institute
Universität Bremen

Timo Wassermann
Tel: +49 421 218-64897

timo.wassermannatuni-bremen.de

Genehmigungsplanung
SKL Engineering & Contracting GmbH

Technische Integration von PtF-Prozessen
Raffinerie Heide GmbH

PtF-Geschäftsmodelle
Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität - Recht, Ökonomie und Politik e.V. (IKEM)

Basic Engineering Demonstrationsanlage
Chemieanlagenbau Chemnitz GmbH

Integration Power-to-Fuel (PtF) Anlagenmodell ins Energiesystem
DLR-Institut für Vernetzte Energiesysteme e.V.

Katalysatoren für die Umsetzung von Methanol zu Kerosin
TU Freiberg - Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen - Professur Reaktionstechnik

Forschungsförderung

Das Informationssystem EnArgus bietet Angaben zur Forschungsförderung, so auch zu diesem Projekt.